Wie alles begann -Vorgeschichte

Mittlerweile ist es fast 10 Jahre her... und ich hatte dich fast vergessen oder zumindest hatte ich mit dir "abgeschlossen"...(dass ich den Schlüssel allerdings nie weggeworfen habe ist nun meine Misere.)

Nach mehr als 5 Jahren bin ich (aus freien Stücken) wieder zurück in meine (deine) Heimat gezogen. Glücklich verheiratet mit dem wohl emotionalsten, einfühlsamsten Mann der Welt und unserem gemeinsamen, wundervollen Kind - meiner kleinen heilen Familie. Das (Wieder-)Eingewöhnen, besonders der Aufbau eines intakten, sozialen Netzes (Freundeskreis, Familie) fiel mir nicht ganz so leicht, zumal meine Definition von Freundschaft eine konkretere als die vieler anderer ist und DU, meine Beste, den Anspruch ziemlich hochschraubst. Aber so ein paar Kumpels von damals vielleicht...? Ich weiß es nicht mehr genau, aber so ist es sicher passiert, dass ich dir, wie so einigen anderen, mir-nichts-dir-nichts eine Nachricht schrieb. Und du hast geantwortet! Dir ging es damals nicht gut und wir trafen uns Abends unverbindlich auf ein Bier. DU, meine Beste, hast dir schon zu diesem Zeitpunkt Sorgen gemacht, als ich nicht mal daran dachte, was kommen würde. DU hattest diese "Feinfühligkeit", das Allwissen, die Voraussicht... und teiltest mir diese auch mit. Ich konnte dich beruhigen, dass da ganz sicher nichts mehr ist.

 

Rückschau

Wie alt war ich eigentlich?...lächerliche 16/17 Jahre, als ich dich innerhalb eines Praktikums kennenlernte. Du warst, zumindest rein optisch, die Inbrunst eines Mannes für mich. Groß, "breit" (nicht dick, eher im Sinne von "anlehnenswert" mit markanten Gesichtszügen. Seit dir habe ich einen Faible für langhaarige Männer entwickelt... Du hattest diesen stechenden Blick, der mich magisch anzog. 

Was mich heute betrübt ist, dass ich scheinbar während "deiner" Zeit dement war. Ich habe so viele Sachen vergessen. Nur die Gefühle, die ich dabei (in bestimmten Situationen) hatte kann ich reproduzieren, sogar sehr intensiv... Bedeutet das, dass ich ausnahmsweise mal NUR gefühlt und nicht gedacht habe, wie ich es sonst zu oft tue/tat? Kopflastig halt, logisch, analytisch... Das bedeutet nicht, dass ich dir in unseren intensiven Gesprächen nicht zugehört habe...aber was ich abspeicherte, waren die Gefühle, die ich dabei hatte! Wie idiotisch, denn das brachte mich später in ziemlich peinliche Situationen mit dir...denn du hast dir ziemlich, ziemlich viel gemerkt (auch das Gefühl, dass du währenddessen hattest?)

zurück...

Ich war schon immer sehr frühreif und wusste schon damals, wie Männer grundsätzlich ticken, was sie mögen, was nicht. Ich hatte einen ausschließlich männlichen Freundeskreis, bis auf eine Ausnahme-DU, meine Beste.Aber du warst ANDERS, undurchschaubar...und das bist du manchmal noch heute. Wir ließen uns Zettelchen durch einen sehr hilfsbereiten Patienten/Bewohner zukommen und verabredeten uns immer öfter zu gemeinsamen Zigarettenpausen. Es war unheimlich erfrischend. Irgendwann haben wir uns natürlich auch außerhalb der Arbeitszeiten getroffen. Ich war von Anfang an angefixt.

Und dann kam der Vorschlaghammer: Was ich etwas später von dir erfuhr war, dass du zu diesem Zeitpunkt seit bereits 4 Jahren in festen Händen warst. Ihr Name spukt mir heute noch im Kopf herum. UND ICH NAHM DAS HIN, in der Hoffnung, dass du dich für mich entscheiden würdest. So begann deine geheime Affäre und mein Wechselbad der Gefühle. Du konntest dich bis zum bitteren Ende nicht entscheiden, trotzdem du mich wirklich liebtest. Du hattest weder den Mut, noch die (in dieser Zeit) Absicht, dich zu trennen. Zuhause bekanntes und bequemes Territorium und im "anderen Leben" deine innige, liebende, spannende Affäre - ICH. 

Wir haben Stunden rauchend und redend in deinem Auto zugebracht. Eine Erinnerung hat sich in mein Hirn gebrannt:

Es gab da ein altes scheunenartiges Gebäude, in welches du mich geführt hast...jetzt hält die Demenz wieder Einzug: War da nicht sogar ein Bett oder war es eine Couch? Auf dieser haben wir uns alles, was wir füreinander hatten, gegeben. Was für ein Ding der Unmöglichkeit, dass wir NIE miteinander schliefen. Entweder war es gut so, wie es war oder ich war unpässlich...egal, irgendetwas war immer - das Schicksal wollte es wohl nicht!? Und das machte unsere Beziehung noch einzigartiger, fast schon abwegig...ABWEGIG.

Selbst unsere Treffen waren suspekt "nicht-geplant". Du warst einfach da und riefst mich an, um mir mitzuteilen, dass du jetzt da und da stehst... Es war alles ungeplant geplant...besser kann ich es kaum beschreiben. Keinerlei Verbindlichkeit und doch soviel, dass uns verband. Es war der Himmel und später immer mehr die Hölle für mich. Möglicherweise habe ich dich immer mehr in Bedrängnis gebracht, eine Entscheidung zu fällen-sie oder ich...ich wollte Klarheit. Ich wollte dich!!! Du mich auch, aber eben nicht ganz.

Fast 1 1/2 Jahre haben wir dieses Spiel gespielt und zum Schluss konnte mein glückliches Dasein bei dir/mit dir dieses zerreißende, endlos schmerzende Gefühl deiner NICHT-Entscheidung einfach nicht mehr aufwiegen.  

Im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich NUR bei dir eine eifersüchtige Seite hatte, denn ich bin so ziemlich die uneifersüchtigste Frau, die ich kenne...

Nach dem wahrscheinlich 3. Versuch zu gehen habe ich es tatsächlich geschafft, und du - du hast mich nicht aufgehalten und das würdest du auch heute nicht tun. Auch eines der Dinge, die mich sehr verletzt haben. Du hattest in deiner Liebe zu mir nichtmal den A... in der Hose, mich aufzuhalten, mich ums Bleiben zu bitten, die letzte Möglichkeit zu nutzen, dich zu entscheiden.... Es schien dir "egal", sowie mir scheint, dir vieles "egal" ist... 

Kein Jahr später hast du dich von deiner Freundin getrennt. War es für eine Andere? Noch ein Schlag ins Gesicht...

 

Und wir trafen uns in unserer Heimatstadt... und ja, ich war aufgeregt, aber es war diese Art von Aufgeregtheit, die man hat, wenn man jemanden, den man ewig nicht gesehen hat, wiedertrifft.

Ich suchte nach deinem Auto, dass du mittlerweile, wie ich später erfuhr, garnicht mehr hast. Stattdessen sah ich dich hinter einem anderen Wagen stehen, ging auf dich zu und stellte fest (dass du deine Haare mittlerweile kurz trägst), dass du älter geworden und zweifacher Vater bist. Ich habe mich dabei ertappt, mir vorzustellen, wie du wohl als Vater bist...

Wir unterhielten uns in angenehmer Atmosphäre und verabschiedeten uns genauso angenehm. Mehr war da nicht... Und ich konnte DICH, meine Beste, anrufen und dich beruhigen, dass da ganz sicher nichts mehr ist. Und erst bei diesem Telefonat bemerkte ich, dass auch ich Angst gehabt hatte...irgendwie. Aber es ist ja alles gut gegangen. Bloß gut...

Und wir blieben im Kontakt und so langsam...ganz langsam...kam es wieder hervorgekrochen...Die Erinnerung und damit verbundenen Gefühle von damals. (Es gab für mich eigentlich keinen zufriedenstellenden Abschluss...) Und DU, meine Beste, die immer alles weiß, sagtest mir, dass du glaubst, er wäre mir eine Art "Trigger"... Psychologisch tiefgründig, wie ich manchmal denke, dachte ich mir, wir (ich) hätten etwas nachzuholen... dass, was wir nie hatten (taten). EINMAL MIT DIR SCHLAFEN, dich einmal ganz spüren, das wäre der Abschluss, den ich nie hatte.

 

Meine Ehe fing durch verschiedenste Krisen an, schlechter zu laufen und das erste mal spürte ich, was es heißt, sich auseinander zu leben. Durch die unterschiedlichsten Entwicklungen, die man persönlich, mein Mann, sowie ich, durchläuft und durch Prioritätsverschiebungen begannen wir uns, voneinander zu entfernen. Bis man das dann mal merkt, ist der Prozess meist schon so vorangeschritten, dass man viel Energie und Arbeit reinstecken müsste, um es wieder zum Laufen zu bringen. Energie, die ich im Moment nicht habe und vielleicht garnicht aufbringen möchte!? Der Status Quo: möglichst leben und leben lassen (wobei mein Mann sich damit schwerer tut, mich leben zu lassen - er will um uns kämpfen) und sich nicht unnötig annerven. Ich habe seit Monaten das dringende, tiefe Bedürfnis nach Freiheit und Selbsbestimmung/Selbstverwirklichung...

Und ich begann, mir gedanklich eine "2.Welt" zu schaffen. Lebte ganze Tage lang nur in dieser 2.Welt mit dir. Und in dieser begann ich einen "Plan zu schmieden"... den Schlussstrich-Plan:

So fädelte ich einen Kurztrip mit dir in die Stadt ein, in der meine Beste lebt-mein Alibi- und nahm mir felsenfest vor, dich wenigstens einmal KOMPLETT zu bekommen. Ich fragte dich, ob du Lust hättest, mit mir ein Konzert in besagter Stadt zu besuchen. Und nein, ich hatte kein schlechtes Gewissen gegenüber meiner "Ehe-Welt". Ich musste das "abschliessen"-für mich!

Bereits als der Trip begann wirktest du so kühl und abweisend und auch ich konnte das frühere "WIR" nicht mehr reproduzieren, aber wir fühlten es noch so stark, dass wir uns völlig angespannt und "überachtsam" zueinander verhielten (Angst vor der Blöße, Scham, Angst davor, dass es Nur noch eine Erinnerung ist, nicht mehr).

Ich weiß noch, das es das schlimmste für mich war, dass du mir scheinbar nur im Hotel Beachtung geschenkt hast. Gleichzeitig hatte ich dir nichts vorzuwerfen. Mein Plan war, Verpasstes nachzuholen-dich einmal ganz spüren-und dich dann gehen lassen können...

Am 2. Abend gingen wir mit meiner Besten ins Konzert. Es wurde ein schöner Konzertabend, der vor allem durch die Anwesenheit meiner Besten, sowie der genialen Band geprägt wurde. Danach zogen wir noch gemeinsam durch das Nachtleben. Ich trank mir ein wenig Mut an... für unsere spätere Zweisamkeit.  Nachdem wir uns verabschiedeten hatten und wieder im Hotel ankamen hast du dich hinter dein Tablet verbarrikadiert und ich fühlte mich dadurch noch beschissener... Ich wurde trauriger und trauriger...und wütend! Auf dich, auf mich, auf die Situation. Wie kann eine einst so intensive, verbindende Beziehung plötzlich so anders sein? Es war die Beklemmung in uns beiden. Man wollte nichts falsch machen, also tat man auch nicht...Du gingst irgendwann (nach dem langen Warten auf einen Annäherungsversuch durch mich?) ins Bett. Das war für mich der Knaller. Ich legte mich also auch hin und lag wach, bis ich es nicht mehr ertragen konnte. Ich fragte mich die ganze Zeit, was verdammt nochmal so schwer daran war, dich einfach zu berühren? Ich fing an, still in mich hinein zu weinen und konnte diesen Raum, dieses Bett mit dir nicht mehr verkraften. Ich stand also wieder auf und verließ das Zimmer. Völlig starr und innerlich abgestorben stand ich draußen und rauchte eine nach der anderen und versuchte dich, meine Beste, mitten in der Nacht zu erreichen. Auch dir ging es damals garnicht gut. Ich hatte dich geweckt und du hattest, obwohl du es gern anders gehabt hättest, keine Energiereserve für mich. Somit blieb ich mit meinem Gesprächsbedürfnis allein-mitten in der Nacht. Wie verzweifelt ich war, zeigte deutlich, dass ich mein Telefonbuch nach IRGENDJEMANDEM, dem ich alles erzählen konnte, durchforstete. Aber jeder Kontakt stand auch immer im Kontakt mit meinem Mann. Nach reichlicher Überlegung rief ich meine ehemalige Nachbarin an, da sie mich und meine Taten nicht bewerten würde. Und ich erzählte ihr ALLES und sie hörte geduldig zu. Das davon nichts an meinen Mann herangetragen werden durfte war für sie sebstverständlich. Und sie verstand mich...

 

Nach diesem dringend benötigten Gespräch ging ich zurück auf unser Zimmer. Du schliefst hörbar und ich legte mich wieder ins Bett. Verzweiflung wich einem wohligen Gefühl. Ich wollte dich immer noch einfach nur berühren, meine Hand war schon auf dem Weg- und da war es wieder, dieses beklemmende Gefühl. Also überlistete ich mich selbst. Ich drehte mich um und meine Finger blieben ganz zufällig an deiner Schulter liegen, ganz sanft. Ich hielt die Luft an. Hattest du es bemerkt? Dein Atem ging gleichmäßig. Nun berührten meine Fingerkuppen sachte deine Haut, aber was nun? Ich kam mir vor, wie der erste Mensch. Ich wollte gleichermaßen, dass du es registrierst und dann wiederum nicht, aus Angst vor deiner Reaktion. Zuerst war es nur ein kurzes Zucken meiner Finger, dann mehr und mehr ein ganz leichtes Streicheln. Du drehtest dich im Schlaf um (oder warst du zu dem Zeitpunkt schon längst wach?) und ich hielt wieder die Luft an, bis ich dein gleichmäßiges Atmen vernahm. So lag ich nun, selig vor mich hin lächelnd, als wäre diese Berührung auf 1 Quadratzentimeter deiner Haut das Ziel. Immer wieder streichelte ich dich zufällig und wäre in dieser Nacht damit zufrieden gewesen, wenn du nicht plötzlich deinen Kopf an mich gekuschelt hättest. Es war fast wie ein kleiner Orgasmus, das plötzliche Aufbrechen des Dammes, das Überschwappen der ganzen verdeckten Gefühle der letzten Stunden. So ging eins zum anderen. Wir merkten, dass es für den anderen in Ordnung war- was für eine Untertreibung-dass wir danach lechzten, den anderen zu spüren.

Aber: Du warst im weiteren Verlauf verlemmt, unoffen und nicht leidenschaftlich. Es war ... "reserviert"-kein guter Sex... und ich war ERLEICHTERT. SO konnte man gut "abschließen".

Am nächsten Tag herrschte bedrückte Stimmung, sodass wir es vorzogen, jeder unserer Wege zu gehen. Du besuchtest deine Schwester, ich meine Beste. Bei Kaffee und Kippe bekamst DU ein genaues Update der letzten Nacht. Und DU hättest dich nicht nochmal entschuldigen müssen, dass du nachts um 3 Uhr keine Kraft für derart Gespräch hattest. Und ich habe mich so befreit gefühlt, dass mir heiß hinter den Augen wurde und ich fast geheult hätte. Ich war plötzlich FREI. Du warst entzaubert und ich strahlte das aus. Ich hatte nicht mehr diesen Inneren Zwang, dir gefallen zu müssen, zu springen, wenn du "Hopp" sagst, damit ich bezüglich dir auch ja nix verpasse. Es war einfach weg.

Als wir abends wieder im Hotelzimmer waren, ich fühlbar aus meiner Zwangsjacke entstiegen, wurde auch unsere Art zueinander anders. War es meine Befreitheit? Mein Drüberstehen? Wir unterhielten uns und ich dankte dir. Ich dankte dir für den Abschluss, den ich finden konnte durch gestrige Nacht. Und es war ein leichterer Abschluss, als vermutet, dadurch, dass wir beide so unterschiedliche Vorlieben im Bett haben. Ich brauche es manchmal einfach etwas "härter". Du scheinst mir eher der "weiche Typ" zu sein. Ich "beiße" gern. Du stehst da überhaupt nicht drauf. Und du hörtest dir das an und warst seltsam still...traurig still.

Und dann sagtest du nur: "Du wirst mich verlassen!?"

Grundgütiger - dir war es also die ganze Zeit bewusst!!! Du spürtest meinen "Plan". Du wolltest mich zwar mit Haut und Haaren, aber du wusstest, wenn du es soweit kommen lässt, bin ich weg. Und du wusstest, dass mir dieses "Puzzleteil" fehlte. Du dachtest, dass unsere "Enthaltsamkeit" einen Teil unserer "Magie" ausmacht. Gibst du mir dieses Teil, wärest du-wären wir entzaubert. UND DU HAST ES GETAN und während dieser "Überreichung" des letzten Teiles wusstest du, dass ich gehen werde... Und plötzlich erklärte sich mir alles! Die letzte Nacht war umnebelt von deiner Blockade, deinem Wissen, dass ich "danach" gehe. In dieser Nacht liebten wir uns leidenschaftlich(er). Für dich gab es nun nichts mehr zu verlieren, außer das, was du bereits verloren hast. Deine "Blockade" war gelöst, weil du dich damit abgefunden hast (musstest). Und ich war überrascht, dass wir doch ganz gut miteinander funktionierten.

Auf der Heimfahrt sprachen wir nochmal über das "Schlussstrich-Thema". Ich war heiter und befreit und wusste, dass nach diesem Trip mein Gdankenkarrussel verstummen würde, dass immerzu schrie: "Es ist etwas besonderes!", "Er ist anders...Entdecke das "Dahinter"", "Du brauchst ihn!", "Es zehrt dich nach ihm!" Nicht, dass du mir egal wärst, aber meine Gefühle nährten sich längst nur noch aus dem "Damals", eine Illusion vergangener Zeiten. Was ich brauchte war ein Abschluss im "Jetzt". Und was du dann sagtest, ließ brachte den "Thron" auf dem ich saß, zum wackeln: "Du wirst immer zu mir gehören!" Es war kein bedrohlicher Ton in deiner Aussage. Es wirkte eher wissend und zuversichtlich. Und es traf mich genau ins Herz! Du sagtest genau das, was lange, lange Zeit mein tiefster Wunsch war, vielleicht noch ist, aber deine Aussage schürt gleichermaßen meine größte Angst.

Rückschau

Wir sind nun alles in allem knappe 10 Jahre in Kontakt. Begonnen mit den wohl traumhaftesten, gefühlsintensivsten 1 1/2 Jahren meines Lebens. Aber auch danach blieben wir im regelmäßigen Kontakt. Stark nachgelassen hat dieser erst mit meinem Wegzug aus der Heimat. Andere Umgebung, andere Menschen, neue Ziele... Nur 3-4 mal riefst du mich innerhalb der nächsten 5 Jahre in deinen Krisenzeiten an, in denen du niemanden anderen anrufen hättest können/wollen. Und wir unterhielten uns und hatten ein Ohr für die  jeweiligen Beziehungsprobleme des anderen. Und unterschwellig liebten wir uns noch immer. Und so scheint es mir im Nachhinein fast schon makaber, dass du mir von deinen Problemen mit deiner damaligen Freundin und Mutter deiner Kinder berichtetest. Das war auch der Zeitpunkt, zu welchem du dir ganz offen eingestanden hast, dass es falsch war, mich gehen zu lassen. Wie Recht du doch hast. Allerdings war ich selbst frisch und glücklich verheiratet, was das ganze abmilderte. Manche Menschen liebt man nunmal ein Leben lang...auch wenn die Wege sich längst getrennt haben.

Ich muss zu meiner Person anmerken, dass ich nach der Schwangerschaft schneller zu depressiven Phasen neigte, als es mir vorher überhaupt aufgefallen wäre. 

Nach dem Kurztrip mit dir löschte ich alles - deine Nummer, den Kontakt... Die nächsten 2 Wochen waren wunderbar, frei und fernab depressiver Schwingungen. Nach diesen 2 Wochen begannst du mir leid zu tun. Ich entschuldigte mich bei dir für das Wochenende, welches für dich scheinbar nur auf diesen Abschluss abgezielt hatte. Du warst getroffen und traurig (und natürlich würdest du das niemals direkt sagen, aber deine Reaktionen sprachen Bände). Und ich konnte dich verstehen, schließlich konnte auch ICH es kaum begreifen. 10 Jahre an einem Wochenende abgeschlossen... Wir tauschten noch einige, nicht immer schöne, Nachrichten aus, bis das ganze so langsam einschlief...

 

Ich weiß nicht, wie es WIEDER zum Kontakt kam, sicher durch ein: "ich vermisse dich " von einem von uns. Und wir taten wieder das, was wir besonders gut konnten (schließlich haben wir Jahre geübt...) - wir schrieben uns. Irgendwann komme ich (mit dir) immer an den Punkt, das ich traurig/wütend/depressiv werde, durch deine Art zu schreiben... Fragen beantwortest du grundsätzlich nicht, du antwortest, wenn es dir schmeckt. Du beendest das Gespräch mit Vorliebe an den Stellen, an denen mir eine Fortsetzung wichtig wäre. Was du denkst bleibt verborgen, es sei denn du hast einen deiner (seltenen) "lichten Momente" - meist, wenn es dir nicht gut geht - in denen du gaaanz kurz etwas von dir und deinem Inneren preisgibst. Du bist unverbindlich - was ich früher erfrischend fand, heute dagegen nervenaufreibend. Ich würde dich gern anbrüllen: "SAG VERDAMMT NOCHMAL WAS DU DENKST UND FÜHLST!!!" Und bei jedem anderen Menschen hätte ich das schon längst getan, aber, und nun folgt die Kehrseite der Medaille: auch ich erkenne ich in unserer Konstellation kaum wieder. Es ist, als wäre ich eigens auf dich abgerichtet. Ich reiße mich zusammen, um dir zu gefallen, oder besser, um dir nicht zu missfallen. Ich bin nicht mehr ich selbst, bin vorsichtig und analytisch und muss alles in Bezug auf mich auseinandernehmen, selbst wenn es nichts mit mir zu tun hat. Ich interpretiere jeden Satz, den du sagst/schreibst auf mich. Mein Sachohr hat Urlaub, wenn ich bei dir bin. Und das Ironische daran: dass ich mir ziemlich sicher bin, dass, wäre ich ich selbst, ich dir alles andere als missfallen würde... So jedenfalls geht es, bis ich den Druck nicht mehr ertrage - und dann falle ich regelmäßig in das tiefe, dunkle, mir bereits schon fast vertraute Loch. Und in der Dunkelheit dieses Loches schwöre ich mir IMMER UND IMMER WIEDER, dass ich nicht mehr schreiben werde, keinen Kontakt mehr suchen werde und frage mich, wozu ich das ÜBERHAUPT mache...

Die Antwortmöglichkeiten:                                                                  Ich bin sadistisch veranlagt.                                                          Ich bin glücklich, wenn ich bei dir bin.                                                Ich brauche das Spiel um deine Liebe und Anerkennung.

 

Traurigerweise musste ich bei letzterem feststellen, dass gezeigte, ausgesprochene Liebe oder Anerkennung nie von dir aus kommt. Ich muss immer "vorlegen". Ist es also genaugenommen eine erfragte/erbetene Liebe/Anerkennung?

 

 

Zurück...

Wir waren also wieder im Kontakt und ich hatte ein Pendelwochenende mit mehreren Terminen an unterschiedlichen Orten abzuarbeiten. Da mein Auto solche Strecken nicht mehr mitmacht, ging ich auf ein von dir bereits früher erstelltes Angebot, mir jederzeit eines bei dir leihen zu können, ein. Du hast dich für das Wochenende einfach selbst eingeladen und so pendelten wir gemeinsam mein Terminplan ab. In der ersten Unterkunft angekommen wurde mir wieder bewusst, dass deine Beachtung mir gegenüber nur im Hotel stattfindet. Sobald wir diese "intimen Wände" verlassen, bin ich Luft. Liegt es daran, dass du in geschlossenen Räumen nicht drum herum kommst oder daran, dass du nicht weißt, wie wir in der "Öffentlichkeit" umgehen könen bzw. dürfen? 

Die erste Nacht war...heiß, leidenschaftlich und innig, aber den Akt selbst vollzogen wir nicht, ebenso wie die Nacht drauf. Und ich hatte so ein Verlangen nach dir. Dass du das so hinnehmen kannst, begreife ich überhaupt nicht. Es war unbefriedigend für mich! Sadistisch!!! Es stellt für mich einen "Drahtseilakt" dar, dich zu treffen, geschweige denn die Nacht mit dir zu verbringen und es steht in den Sternen, wann das nächste mal sein wird. Ist es da nicht normal, dass ich die wenige, auf weite Sicht unplanbare, Zeit genießen will? Dich ganz spüren will, wenn wir schon nicht mehr, wie früher, in der Lage sind uns normal zu unterhalten? Und so verfiel ich von Tag zu Tag in schlechtere Stimmung, bis ich wieder an dem Punkt war, dich, mich und die Situation zu hassen. Ich wünsche mir von dir Dinge, die du niemals wirst erfüllen können. Hast du sie JEMALS erfüllt? Wie war das denn früher? Demenz, Demenz... Ich hätte dich zu gern gefragt, wie du uns siehst? Was sind wir? Was tun wir? Wie denkst du darüber und wie fühlst du? Aber ich war beklommen - wieder einmal - und konnte dich nicht fragen, aus Angst, dich unter Druck zu setzen. Das wirft für mich die größten Fragezeichen auf: Warum muss/will ich das überhaupt definieren? Warum habe ich das Gefühl, dass es besser/schöner werden muss - das es zu einem Ziel kommen muss. Und bin ich nicht die Letzte die das fragen dürfte? Schließlich bin ich die Ehefrau - die Ehefrau eines Anderen...

Auf der Heimfahrt spürten wir, dass es anders ist. Als ob wir plötzlich begriffen hätten, dass wir unsere Erinnerung aus dem Damals nicht einfach n Jetzt mitnehmen können. Wir saßen 4 Stunden (!!!) schweigend (!!!!!!!!!!!!!!) im Auto. Ich war absolut traurig und konnte nur noch heulen. Ob du es mitbekommen hast, weiß ich nicht. Ich fühlte mich lee und unbefriedigt von unserer Beziehung, die ich in meinem Kopf so verschönt sah. Und als Gegenbeweis, die brutale Realität - hier in deinem Auto...

Und wieder zog ich einen Schlussstrich! Ich muss doch diesem Irrenhaus irgendwie entkommen können. Ich versuchte, mir dich als Sucht anzusehen (so fühlte es sich bisweilen auch an). Was hilft dagegen? Genau - stark und abstinent bleiben, um clean zu werden...

So kamen wir nach der schweigsamen, 4-stündigen Fahrt wieder in der Heimat an und ich ging noch kurz mit zu dir rauf. Das erste, was du tatest war, dich an deine Arbeit zu machen, währenddessen ich, wie betröppelt, einfach nur dastand. Ich wusste weder, was ich sagen sollte, noch wie ich mich verabschieden könne. Aber eigentlich hatte ich auch garkeine Gelegenheit etwas zu sagen, denn du telefoniertest schon sämtliche Kunden und Kollegen durch, als hätte das nicht warten können. Der Grund meines Verletztseins waren nicht die Anrufe, sondern die Art, wie du dich mit deinen Gesprächsteilnehmern unterhalten hast: Munter, heiter, lachend - einfach ganz normal...Was machte ich nur falsch? Was machst DU falsch, dass du dich nach wie vor mit mir triffst, obwohl wir nicht einmal ein einfaches, normales Gespräch führen können? Ich wartete ab, bis du mit deinen Anrufen durch warst, setzte mich auf die Couch und bat dich, dasselbe zu tun... Dann sprach ich aus, was ich das letzte Mal vor 10 Jahren zu dir gesagt habe und es hat mich enorm viel Mut und Energie gekostet, besonders nach dem Wochenende, dass sehr stressig für mich war... Ich sagte dir, dass ich dich liebe, aber genau aus diesem Grunde so nicht weitermachen kann. das ich jetzt gehen werde und nicht mehr wiederkomme. Du hörtest dir das an, während dein Blick deinen Schoss fixierte. Und dann sagtest du, dass du eigentlich die allerwenigsten Probleme hättest und für dich alles gut wäre. Und da wurde mir bewusst, dass wir ziemlich sicher wirklich in völlig unterschiedlichen Gefühlswelten mit unterschiedlichen Bedürfnissen leben. Deine Aussage traf mich sehr - ich war zu Tode betrübt. Ich fuhr dich, wie bereits ausgemacht zum Autohändler und wusste, dass es, sobald du ausgestiegen bist, vorbei ist. Ich konnte nichts gegen meine Tränen tun. Sie liefen und liefen - still und leise.Ich hielt an besagter Stelle, konnte dich, weinend wie ich da saß, nicht ansehen. Du hast dich in einem völlig entspannten, gleichgültigen Ton verabschiedet und alles in mir schrie... Selbst jetzt verletzt du mich noch... Ich konnte nur noch nicken ... und fuhr los...

Dein Auto stellte ich dir 2 Tage später auf den Hof und verschwand...

Wieder 2 Tage später war mein Navigationsgerät aunauffindbar und mir schwante, wo es liegt...in deinem Auto. Da ich zu diesem Zeitpunkt wieder einmal alle Kontaktmöglichkeiten zu dir vernichtet hatte, war ich gezwungen, mir deine Telefonnummer aus dem Internet zu ziehen. Ich wollte abstinent und stark bleiben, also bat ich dich mir mein Navi per Päckchen zuzusenden. Du verneintest das vehement - ob ich bekloppt sei, wolltest du wissen... Dazu gab es meinerseits nichts mehr zu sagen...

Es vergingen einige Tage, als ich zufällig in deiner Gegend unterwegs war. ich entschied spontan mein Navi zu holen - jetzt oder nie. Ich fuhr zu dir, klingelte und als deine Stimme in der Gegensprechanlage zu vernehmen war, sagte ich nur: "Mein Navi..." Du fragtest, ob ich kurz raufkommen könne. Ich tat es. Auf den letzten Stufen hörte ich Kinderstimmen und war kurz geschockt. Ohgott, deine Kinder sind bei dir (du und die Mutter der Jungs teilt euch die Erziehung) und es war das erste Mal, dass ich deine Jungs live sah. Sie waren gerade auf dem Weg ins Bett, als ich in die Wohnung trat. Ich lächelte die beiden an und fragte, ob denn nicht schon längst Bettzeit wäre? Einer der Beiden grinste mich zuckersüß an und dann erst sah ich dich an. Du schenktest mir ein kleines, glückliches Lächeln und ich musste zweimal hinsehen, um mich davon zu überzeugen. Ja - du freutest dich tatsächlich sichtbar, mich zu sehen und ich war beeindruckt von dieser (eigentlich selbstverständlichen) Gefühlsäußerung deinerseits... Ich sah dich hier in deiner Vaterrolle, beobachtete, wie du deine Kinder ins Bett brachtest, während ich auf deinem Sessel Platz nahm. Als die Kinder im Bett lagen, wolltest du dich anziehen, doch ich war es, die dich aufhält, obwohl ich es mir anders vorgenommen hatte (nämlich Navi holen und Tschüß. Aber ich wollte wenigstens 10 Minuten warten, bis deine Kinder eingeschlafen sind, bevor wir im nächsten Ort mein Navi holen konnten. Wir unterhielten uns - angenehmer und lockerer als es sonst der Fall war. Und du fragtest mich, wie es mir geht, was du sonst nie tust... 

Wir holten mein Navi und bei der Ankunft im Nachbarort stieg ich aus und hörte das Lied in deinem Auto:

 

 „Abgeschirmt von allen Augen
brennt ein Licht in tiefster Dunkelheit.
Jedoch kein Lächeln und kein Wort von dir
dringt je hinab zu mir.

Verdammt, siehst du denn nicht
dass hier drinnen jemand lebt.
Eine Kreatur, die atmet und sich nach Liebe sehnt?
Oh verdammt siehst du denn nicht,
dass tief drinnen etwas existiert?
Ein Mensch, der leise leidet, ein geheimes Leben führt“

 

Als das Lied verklang, sagte ich dir, dass auch ich dieses Lied geschrieben haben hätte können. Ich weiß, dass du es hörst, weil du dich so fühlst, aber auch ich fühlte mich so. Ich wäre dankbar und glücklich FÜR DICH, wenn es dir irgendwann gelingt, dass du so etwas direkt, mit deiner Sprache, deinen Worten und deiner Stimme zum Ausdruck bringen kannst und keine "Hilfsmittel" mehr zur Rate ziehen müsstest (wie eben dieses Lied) - nicht, dass ich das nicht auch ab und an tue, aber der Großteil meiner Gefühle und Gedanken hat sein Ventil auf direktem Wege - Sprache und Körper. Und so liebevoll, wie es in dem Moment möglich war, sagte ich dir, dass man Liebe schon auch zeigen sollte oder zeigen, dass man sie braucht oder das sie ankommt, um auch welche zu erhalten. Schließlich bin ich kein Hellseher! "SAG WAS DU DENKST UND FÜHLST!". Ich stieg in mein Auto, inklusive Navi und fuhr nach Hause...

Und auch dieses Mal traten wir wieder in Kontakt. Wie es dazu kam, kann ich nicht erinnern... mit Sicherheit war ich es, die nicht an sich halten konnte und dir schrieb. An besagtem Tag hattest du die Kids bei dir und wolltest in den Indoor-Spielplatz unserer Stadt gehen. Ich lud mich, inklusive meinem Kind ein. Vorher trafen wir uns zum Kaffee und Kuchen in einem Café. Ich hatte bereits einen kleinen Tisch in dem überfüllten Café ergattert, als du und deine Kids dazu stießt. Es war ein irres Gefühl - ich mit meinem Kind, du mit deinen...Wie die Zeit verfliegt, wie schnell man plötzlich ein anderes Leben mit anderen Prioritäten und Verpflichtungen führt. Es fühlte sich zutiefst familiär an, wie wir da saßen, wie eine Patchwork-Familie. Mein Sohn ist noch nicht in dem Alter, in welchem er sich fragt, wer das wohl ist und warum man am gleichen Tisch sitzt - und später zusammen zum Spielplatz geht. Gott sei Dank! Also aßen wir gemeinsam unsere Kuchen und Eis, tranken Kaffee und Apfelschorle, während deine Jungs (knappe 3 Jahre Altersvorsprung zu meinem Sohn) schüchtern und leicht fremdelnd wirkten. Danach gings zum Indoor-Spielplatz. Deine Kinder waren groß genug, allein zu spielen, meinem muss ich mehr oder weniger noch auf Schritt und Tritt "nachstellen". So hattest du die Möglichkeit, es dir auf den, für die Eltern vorhandenen, Sitzgelegenheiten bequem zu machen, während ich schwitzend meinem Sohn hinterher jagte, der ausgerechnet an diesem Tag immerzu rutschen wollte - und ich, ich musste mit. Und ich genoss es, ich genoss, wie du da, ganz der Vater, mit deinem Tablet saßt und ich, ganz Mutter, mal mit meinem, mal mit deinen Jungs "spielte"(die so langsam mehr Vertrauen zu mir fassten). Nur, dass wir weder Vater und Mutter UNSERER Kinder, noch überhaupt eine definierbare Beziehung führen. Kurz vor Ladenschluss, wir waren fast die einzigen, hatte das Rutschen seinen Höhepunkt erreicht. Es war so süß, wie einer deiner Jungs mich darum bat, mit meinem noch so kleinen Jungen rutschen zu dürfen. Und er durfte - so hatte ich mal eine Pause. Bei einem weiteren Aufstieg zur Rutsche wollten deine Jungs mit mir rutschen. Und dann entstand einer dieser unvergesslichen Momente: auf ihre Frage hin flüsterte ich ihnen zu (und genau in diesem Moment schautest du von deinem Sitzplatz zu mir), während ich dich anlächelte:"Fragt doch mal euren Papa. Der rutscht mit Sicherheit gern mal mit euch." Und dann ging das "Ermutigungs-Geschrei" für "Papa" los. Dir blieb keine andere Wahl, als dich zu erheben und dem Wunsch deiner Kinder nachzukommen. Es war für mich ein unfassbar intimer, prickelnder Moment. Ob du es auch so wahrgenommen hast, werde ich wohl nie erfahren...

Deine Vaterrolle macht dich sexy, mehr, als du es für mich eh schon bist...Und gleichzeitig macht es mir solche Angst, dass du auf mich diese ganzheitliche Wirkung hast. Ich habe das Gefühl (das Wissen), dass ich dich niemals aus meinem Kopf bekommen kann, aus meinem Herzen schon gleich garnicht. Du wirst wohl einer der Menschen sein, die ich immer lieben werde, aber es ist eine sadistische Liebe. Ich brauche dich, obwohl du mich gleichzeitig schmerzt. Wie wäre es wohl gewesen, wenn...? Eine der Fragen, die ich mir jahrelang stellen musste... Wie wäre es gewesen, wenn du (und ja, es war damals DEINE Entscheidung) dich für mich entschieden hättest? Was wäre gewesen, wenn ich damals 1 Jahr länger als deine Affäre durchgehalten hätte? Was wäre dann heute? Und ich stelle fest, dass die möglichen Ausgänge alle besser wären, als das, was im Moment geschieht...

                       

 

 

21.04.2015

Gestern hast du mir von dir aus geschrieben. Das ist selten der Fall. Meistens bin ich diejenige, die es nicht mehr aushält und etwas von dir hören will, dich durch eine regelmäßige Kommunikation als Teil meines Lebens sehen möchte. Wie auch immer man diesen Teil nennen  kann. Und ich habe es mir zur Regel gemacht, nicht sofort zu antworten. Eine Regel, die ich meistens breche, bevor ich auch nur drüber nachdenken kann. Ok, ich bin ehrlich, ich scheiße oft auf die Regel, weil ich das Gefühl habe, deine Bereitschaft zum „Sprechen“ nutzen zu müssen. Schließlich kann das innerhalb von Minuten schwanken, so scheint mir. Blöderweise spinnt mein Handy im Moment, sodass ich Nachrichten grundsätzlich zu spät bekomme und meine Nachrichten verspätet rausgehen. Ich hatte ein wirklich schönes Wochenende, weshalb ich (Gott sei dank) nicht so schwermütige Gedanken an dich und meine Situation verschwenden konnte.

Erst gestern wurde mir das Ausmaß meiner „Ehekrise“ vor Augen geführt. Mein Mann und ich haben völlig unterschiedliche Gefühlsebenen entwickelt. Jede für sich völlig gerechtfertigt, aber zusammen absolut unsynchron. Mein Mann sehnt sich nach kleinen Liebesbekundungen. Ich komme da im Moment weder auf die Idee, noch drängt mich danach. Ich habe das Gefühl, als sei er emotional abhängig durch mich. Er ist nicht in der Lage, SEIN Leben mit Glück auszufüllen – für sich. Dafür braucht er mich. Ich bin wiederum gerade dabei, mein Leben „schön“ zu gestalten, unabhängig von meinem Mann. Über all diese Sachen sprachen wir gestern ganz offen. Er hätte keinerlei Rückhalt, wenn ich nicht mehr wäre. Er hätte weder Freunde, noch Ablenkung durch irgendwelche Hobbies. Ich finde das traurig, fast schon gefährlich für einen Menschen, nichts zu haben und sich an eine einzige Person zu klammern. Und genauso fühlt es sich für mich an. Trotzdem wir nichts wirklich gemeinsam erleben oder konkret Zeit miteinander verbringen ist er auf emotionaler Basis eine Klette. Das wiederum gibt mir das Gefühl, dass wir eben doch ständig und permanent „zusammenhängen“, obwohl das nicht der Fall ist und das wiederum führt dazu, dass ich nicht das Bedürfnis nach Zweisamkeit habe.
Mein Mann jedoch steht genau am anderen Ende dieses „Problems“. Er bekommt keine Liebe und möchte aufgrund dessen, intensiver Zeit zu zweit verbringen. Und er muss garnix sagen – dieses (sein) drängendes Bedürfnis liegt so sehr in der Luft, dass es mich noch weiter aus dieser „klammernden“ Atmosphäre raus drängt.

Das konnten wir eigentlich schon immer gut, solang wir beide offen für ein Gespräch waren – REDEN.

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