21.04.2015

Gestern hast du mir von dir aus geschrieben. Das ist selten der Fall. Meistens bin ich diejenige, die es nicht mehr aushält und etwas von dir hören will, dich durch eine regelmäßige Kommunikation als Teil meines Lebens sehen möchte. Wie auch immer man diesen Teil nennen  kann. Und ich habe es mir zur Regel gemacht, nicht sofort zu antworten. Eine Regel, die ich meistens breche, bevor ich auch nur drüber nachdenken kann. Ok, ich bin ehrlich, ich scheiße oft auf die Regel, weil ich das Gefühl habe, deine Bereitschaft zum „Sprechen“ nutzen zu müssen. Schließlich kann das innerhalb von Minuten schwanken, so scheint mir. Blöderweise spinnt mein Handy im Moment, sodass ich Nachrichten grundsätzlich zu spät bekomme und meine Nachrichten verspätet rausgehen. Ich hatte ein wirklich schönes Wochenende, weshalb ich (Gott sei dank) nicht so schwermütige Gedanken an dich und meine Situation verschwenden konnte.

Erst gestern wurde mir das Ausmaß meiner „Ehekrise“ vor Augen geführt. Mein Mann und ich haben völlig unterschiedliche Gefühlsebenen entwickelt. Jede für sich völlig gerechtfertigt, aber zusammen absolut unsynchron. Mein Mann sehnt sich nach kleinen Liebesbekundungen. Ich komme da im Moment weder auf die Idee, noch drängt mich danach. Ich habe das Gefühl, als sei er emotional abhängig durch mich. Er ist nicht in der Lage, SEIN Leben mit Glück auszufüllen – für sich. Dafür braucht er mich. Ich bin wiederum gerade dabei, mein Leben „schön“ zu gestalten, unabhängig von meinem Mann. Über all diese Sachen sprachen wir gestern ganz offen. Er hätte keinerlei Rückhalt, wenn ich nicht mehr wäre. Er hätte weder Freunde, noch Ablenkung durch irgendwelche Hobbies. Ich finde das traurig, fast schon gefährlich für einen Menschen, nichts zu haben und sich an eine einzige Person zu klammern. Und genauso fühlt es sich für mich an. Trotzdem wir nichts wirklich gemeinsam erleben oder konkret Zeit miteinander verbringen ist er auf emotionaler Basis eine Klette. Das wiederum gibt mir das Gefühl, dass wir eben doch ständig und permanent „zusammenhängen“, obwohl das nicht der Fall ist und das wiederum führt dazu, dass ich nicht das Bedürfnis nach Zweisamkeit habe.
Mein Mann jedoch steht genau am anderen Ende dieses „Problems“. Er bekommt keine Liebe und möchte aufgrund dessen, intensiver Zeit zu zweit verbringen. Und er muss garnix sagen – dieses (sein) drängendes Bedürfnis liegt so sehr in der Luft, dass es mich noch weiter aus dieser „klammernden“ Atmosphäre raus drängt.

Das konnten wir eigentlich schon immer gut, solang wir beide offen für ein Gespräch waren – REDEN.

21.4.15 11:03

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